Stiftung Mercator

Junge Islam Konferenz - Nordrhein-Westfalen

JIK NRW - "Zusammenhalt – jetzt erst recht!"

Im September 2016 fand die Junge Islam Konferenz – neben bereits erfolgreich bestehenden Konferenzformaten in Hamburg, Berlin und Schleswig-Holstein – erstmals auch in Nordrhein-Westfalen (JIK NRW) unter dem Motto „Zusammenhalt – jetzt erst recht!“ statt. Die JIK NRW ist ein Projekt des Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, des Projektträgers Aktion Gemeinwesen und Beratung, der MUTIK gGmbH und der Humboldt-Universität zu Berlin, gefördert durch die Stiftung Mercator.

(c) Astrid Piethan

In den kommenden vier Jahren können junge Erwachsene im Alter von 17 bis 23 Jahren mit verschiedenen sozialen, kulturellen und religiösen Hintergründen an der JIK NRW teilnehmen. Die JIK NRW versteht sich dabei als Dialogforum und Multiplikatorennetzwerk für junge Menschen – ob muslimisch oder nicht, ob religiös oder nicht, ob mit oder ohne Migrationshintergrund. In Form von Workshops, Diskussionen und Gruppenarbeit setzen sich interessierte junge Menschen an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden intensiv mit dem Thema gesellschaftliche Vielfalt und dem Umgang mit Minderheiten am Beispiel von Islam und Muslimen in Deutschland und in NRW auseinander. Ziel ist ein gemeinsamer Austausch auf Augenhöhe und die Formulierung von Empfehlungen für eine offene, vielfältige Gesellschaft an Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Zivilgesellschaft. Dabei stehen ihnen Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Politik und Praxis zur Seite.

VIELFALT  IN  NRW

Vielfalt ist in NRW kein vorübergehendes Phänomen, sondern ein prägendes Momentum. Einwanderung wird als fester Bestandteil NRWs und seiner Geschichte und Identität betrachtet.

Die Vielfalt in der Gesellschaft gestaltete sich nicht zuletzt durch die Zuwanderungsbewegungen seit 1946: Nach dem Ende des II. Weltkrieges kamen Vertriebene und Flüchtlinge aus den ehemaligen Ostgebieten und der DDR nach Nordrhein-Westfalen. Mit dem Beginn der Anwerbepolitik von Arbeitsmigrantinnen und Migranten aus den Mittelmeerländern in den 1950er Jahren veränderte sich die Bevölkerungsstruktur zusätzlich.  Ihnen folgten Spätaussiedler, Kontingentflüchtlinge und jüdische Zuwandererinnen und Zuwanderer. Bis heute dauert die Zuwanderung nach Nordrhein-Westfalen an. Beispielsweise betreffen die aktuellen Flüchtlingsentwicklungen Nordrhein-Westfalen ebenso wie die anderen Bundesländer.

ISLAM  IN  NRW

Es bestehen keine Zweifel, dass Muslime und mit ihnen der Islam zu NRW gehören. Von den 3,8 – 4,2 Mio. in Deutschland lebenden Muslimen unterschiedlicher Herkunft und religiöser Prägung sind ca. 1,5 Mio. in NRW zu Hause. Während die meisten ursprünglich aus der Türkei (rund 800.000) stammen, kommen rund 300.000 aus südosteuropäischen Herkunftsländern wie Bosnien, Albanien und Bulgarien, sowie 400.000 aus arabischen, zentralasiatischen und afrikanischen Staaten. Dies führt wiederum dazu, dass der Islam in NRW von unterschiedlichen kulturellen sowie religiösen Traditionen und verschiedenen Strömungen/Denominationen geprägt ist: 80,4 % gehören der sunnitischen Glaubensrichtung an, 6,1 % sind Schiiten; schätzungsweise 9,1% sind Aleviten.

In den kommenden Jahren wird sich die islamische Vielfalt in NRW aufgrund der aktuellen Zuwanderung nach Deutschland vergrößern. Denn: Nach Angaben des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge stammen die Geflüchteten und Asylbewerberinnen und Asylbewerber in Deutschland zu einem großen Teil aus islamisch geprägten Ländern. Diese Zuwanderung dürfte den innermuslimischen Austausch bereichern.

(c) Bettina Frevert

VIELFALT  UND  RESSENTIMENTS 

Die Ergebnisse des Religionsmonitors, Sonderauswertung Islam 2015 der Bertelsmann Stiftung zeigen ganz deutlich den Widerspruch zwischen Eigen- und Fremd-zuschreibungen im Kontext Muslime. Während sich nämlich die meisten Muslime in Deutschland als eng mit Staat und Gesellschaft verbunden (unabhängig von der Intensität muslimischen Glaubens) betrachten und eine offene Haltung gegenüber Nicht-Muslimen und anderen Lebensentwürfen pflegen, stehen sie einer zunehmend ablehnenden Haltung der Mehrheit der Bevölkerung gegenüber und leiden unter einem negativen Image. Keinesfalls kommt Islamfeindlichkeit inzwischen nur am Rande der Gesellschaft vor, sondern vielmehr in der sogenannten Mitte der Gesellschaft. Islamfeindlichkeit kann somit als salonfähiger Trend zur Legitimation von Diskriminierung und Ausgrenzung dienen.

In NRW finden laut derselben Studie  61% der Befragten, der Islam passe nicht in die westliche Welt und 46% betrachten den Islam sogar als Bedrohung. 43%  gaben an, sich durch die Anwesenheit von Muslimen als Fremde im eigenen Land zu fühlen und 23% würden Muslimen sogar die Zuwanderung nach Deutschland untersagen.

Informationsdefizite, Schieflagen in medialen Diskursen und zu geringe Begegnungs- und Austauschmöglichkeiten führen in allen Gesellschaftsgruppen und -ebenen zu Unbehagen, Hemmungen und diffusen Ängsten. Nicht zuletzt entstehen dabei knöcherne Vorurteilsstrukturen oder Ansichten, die Zuwanderung und Angehörigkeit einer Religion problematisieren und als Belastung, gar als Bedrohung einschätzen lassen. Diese Einstellungen haben zur Folge, dass Menschen mit unterschiedlichem ethnischen, kulturellen und religiösen Hintergrund sozial, gesellschaftlich und strukturell (Bildung, Beruf) ausgegrenzt und benachteiligt werden können. Gerade diese Diskriminierungserfahrungen können die subjektive Integrationsbereitschaft sowie die tatsächliche Integration bzw. Teilhabe negativ beeinflussen. Eine Etablierung und nachhaltige Pflege von einer Willkommenskultur bzw. die Anerkennung von Vielfalt und Diversität in Deutschland sind unumgänglich für Zusammenhalt sowie für eine gemeinsame starke Zukunft. Zudem seien, laut derselben Studie, regelmäßige persönliche Kontakte hilfreich, um Vorurteile gegenüber Muslimen abzubauen.

 

Einblicke in das Konferenzprogramm der JIK NRW

Fragen zur JIK NRW werden in den FAQs beantwortet.